Schmerzen behandeln mit EMDR

 Auf dem diesjährigen "Deutschen Schmerzkongress 2016" in Mannheim soll im Rahmen des Symposium "Der gestresste Rücken: Psychobiologische Zusammenhänge von Stress und Rückenschmerz" wieder ein besonderer Fokus auf den Zusammenhang zwischen psychischen Traumata und Schmerz gelegt werden. 

Stress hat bekanntlich einen starken Einfluss auf die biologischen und psychosozialen Ebenen der Schmerzwahrnehmung. Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass Distress die Entwicklung von nicht-spezifischem Rückenschmerz fördern und seine Intensität verstärken kann. Über welche Mechanismen Stress sich auf die Entstehung von Rückenschmerzen auswirkt, ist jedoch noch weitgehend unklar. Inhalt des Symposiums "Der gestresste Rücken: Psychobiologische Zusammenhänge von Stress und Rückenschmerz" auf dem deutschen Schmerzkongress soll eine differenzierte Darstellung über das aktuelle Wissen um mögliche Zusammenhänge zwischen Stress und chronischem Schmerzerleben, insbesondere chronischen Rückenschmerzen, sein.

Zunächst soll auf den Einfluss von wiederholten Stresserfahrungen auf die spinale Prozessierung von nozizeptiven Informationen eingegangen werden. Hierfür wurde tierexperimentell der Einfluss von Stress auf sensorische Neurone im Rückenmark von Ratten untersucht. Die Nager wurden hierfür zunächst wiederholt einem Immobilisationsstress unterworfen. Anschließend wurden die Entladungen von Hinterhornneuronen im lumbalen Rückenmark mit Mikroelektroden registriert. Die Neurone der gestressten Tiere wiesen gesteigerte Antworten bei Reizung der Rückenweichteile und eine verstärkte Ruheaktivität auf. Die Steigerung der neuronalen Antworten auf mechanische Reize könnte die stressbedingten stärkeren Rückenschmerzen mit erklären, die gesteigerte Ruheaktivität die Entstehung von Spontanschmerzen.

Daran anknüpfend wird im Anschluss auf entsprechende psychophysiologische Veränderungen bei Patienten mit nicht-spezifischem Rückenschmerz und frühen Stresserfahrungen eingegangen. Es soll dargestellt werden, dass bei chronischen Rückenschmerzpatienten unterschiedliche Arten frühkindlicher Stresserfahrungen mit spezifischen Veränderungen im somatosensorischen System einhergehen. So geht in Hinsicht auf verschiedene Unterarten früherer Stressbelastungen emotionaler Missbrauch mit einer gesteigerten spinalen Sensibilisierung einher, während sexueller Missbrauch mit einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit assoziiert ist. Diese Ergebnisse legen nahe, dass frühere Stresserfahrungen mit nachhaltigen Veränderungen in der somatosensorischen Funktion assoziiert sind.

Abschließend werden im Überblick Bildgebungsbefunde zum Zusammenhang zwischen traumatisierenden Stresserfahrungen und der Ausbildung chronischer Schmerzen bei Patienten mit multisomatoformen Schmerzstörung dargestellt. So wurde z.B. mittels eines Empathie-Paradigmas mit Hilfe der fMRI die zentralnervöse Schmerzverarbeitung bei traumatisierten im Vergleich zu nicht traumatisierten Patienten mit einer chronischen Schmerzstörung untersucht. Hierbei zeigte sich eine veränderte neuronale Prozessierung von empathisch wahrgenommenem Schmerz zwischen missbrauchten und nicht missbrauchten Patienten u.a. in limbischen Arealen. Das Symposium schließt mit einer Diskussion über mögliche Implikationen für die Behandlung.

Hier: Folien zum Vortrag

 

 

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